Sie sind hier: Startseite | Kontext und Zitate | Über uns berichtet | Bericht
Die Thomasbernhardorteaufsuchkrankheit
Goethe-Verehrer pilgern nach Weimar, Literatur-Touristen wandern auf den
Spuren von James Joyce in Dublin, Thomas Mann-Fans besuchen das Lübecker
Buddenbrookhaus.
Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard hat in Bayern erstaunliche
Liebhaber. Bernhard Setzwein hat sie besucht.
09.02.2008 | Bernhard Setzwein (Bayerischer Rundfunk | Bayern2)
Der Abschnitt der Sendung, der sich mit den Passauer Thomas Bernhard- Freunden beschäftigt und der die Intention und die Aktionen dieses Freundeskreises mit Originaltondokumenten von deren Lesungen und die Interview- Äußerungen vor führt, stehen hier als Text-Dokument zum Download bereit.
Die ganze Sendung liegt als Ton-Dokument zum Download bereit:
Länge: 52:47min Dateigröße: 36,25MB
(Bitte geben Sie uns bescheid wenn der Link nicht mehr funktioniert)
Im Teaser des Bayerischen Rundfunks heißt es:
"Zwar heißt es in Thomas Bernhards Opus magnum Auslöschung unmissverständlich, hüten Sie sich, die Orte der Schriftsteller aufzusuchen, Sie verstehen sie nachher überhaupt nicht, nichtsdestotrotz gibt es Leser dieses süchtig machenden österreichischen Schriftstellers, die genau dies tun müssen, weil sie nämlich unheilbar infiziert sind mit einer seltsamen Krankheit: der Thomasbernhardorteaufsuchkrankheit!
Gerade auch in Bayern gibt es durchaus Objekte für diese seltsame Begierde. Dazu gehören ganz sicher die sechs Jahre, die er in Traunstein verbrachte, eine Zeit, die der Autor in dem autobiographischen Buch Ein Kind Jahrzehnte später noch einmal auf beklemmende Art und Weise evozierte. Darin ist die Rede vom erfolglos schriftstellernden Großvater Johannes Freumbichler, der im nahen Ettendorf lebte, vom Eisenbahnviadukt, bei den Traunsteinern als Selbstmörderbrücke bekannt, sowie vom Wohnhaus am Taubenmarkt, aus dessen Fenstern die Mutter zur Schande des bettnässenden Sohnes die vollgepinkelten Bettücher hängte. Typische Thomasbernhardorte also, zu denen es einen kundigen Führer gibt: den Traunsteiner Realschullehrer Willi Schwenkmeier. Er ist genauso ein Thomasbernhardverfallener wie die Mitglieder des Kreises Passauer Thomas Bernhard Freunde. Sie muten ihrem Publikum sogenannte Volltextlesungen zu, zum Beispiel die ganze Auslöschung - 700 Seiten, vorgetragen nonstop an drei Tagen. Ihr Motto - natürlich ein Thomas-Bernhard-Zitat: Wir dürfen nicht nachlassen in unserer Intensität.
Bernhard Setzwein besuchte all diese erstaunlichen Literatur-Liebhaber und spürt am Ende seiner Reise selbst schon erste Anzeichen einer Thomasbernhardorteaufsuchkrankheit."
