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Gehaltvolle lange Nacht

Bernhard-Gedächtnisabend im Scharfrichter Passau

14.2.2009 | Gabriele Blachnik (Passauer Neue Presse | FEUILLETON)

 

 

Nur, dass der Abend lang werden würde, konnten die Passauer Thomas Bernhard Freunde voraussagen. Wie sich die Hommage für den vor 20 Jahren verstorbenen Schriftsteller entwickeln würde, blieb zwölf namhaften Personen belassen, die gebeten waren, anhand eines selbst gewählten Zitats eigene Texte zu Bernhard vorzutragen. Aus der Zufallsinszenierung ihrer Beiträge entwickelte sich zeitweise eine packende Dramaturgie. Martin Fraunhofers Schilderung von Bernhards letzten Lebenstagen gab gleich zu Beginn viel vom Leben des Außenseiters wieder, für den der Tod die tragende Rolle spielte, die Lächerlichkeit des Daseins vorauseilend aufzuheben. Von der dunklen Seite des Literaten zeigten sich die Lyrikerin Rosa Maria Bächer und Franz Xaver Hofer aus Schärding berührt. Hofer schilderte die spannungsreiche Ambivalenz, die Thomas Bernhard trotz düsterer Kindheit und vieler Jahre lebensbedrohlicher Krankheit am Leben hielt. Auf seine feinsinnigen Ausführungen folgte Edgar Liegl wie ein Sturm. Über die Farce „Theater oderHochwasser“ bestieg der Mitbegründer des Scharfrichterhauses den unverwechselbaren Sprachduktus Bernhard’scher Prosa wie eine Welle und ritt sie bravourös mit einem eigenen Text über die Dreiflüssestadt weiter. In die emotionalisierte Stimmung klinkte sich die Schauspielerin Bettina Mittendorfer, indem sie ein bedrückendes Kapitel aus Bernhards Kindheitsbiografie als Bühnenstück wiedergab. Aus Theatersicht näherte sich auch Intendant Stefan Tilch dem Autor. Er formulierte dessen Verneinung von Klarheit und Kälte zu einem Plädoyer für das Theater als Raum für die Sehnsucht nach einer anderen Welt. Das zehnjährige Bestehen der Thomas Bernhard Freunde würdigten Peter Palicek und Franz Mrkvicka−der Maler hatte der Lesegesellschaft ein Ölbild geschenkt, das versteigert wurde − mit Schilderungen aus der Vereinsgeschichte. Edith Rabenstein machte Bernhards Lesegewohnheiten zum Thema, Wolfgang Reimann und Rupert Schützbach die vielseits in Vergessenheit geratenen Gedichte. Bevor Eberhard Wind dazu beeindruckende Beispiele rezitierte, beleuchtete Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper die für die Öffentlichkeit wirksamste Seite des T. B.: die des schonungslosen Gesellschaftskritikers. Gerhard Koschel bereicherte das Programm mit gefühlvoll interpretierten Stücken am Akkordeon. Als Moderator und Organisator Alois Feuerer nach Mitternacht die aufmerksamen Zuhörer mit dem Bernhard-Wort entließ, Leben bedeute, „den Versuch machen, nicht zuverzweifeln“, schien tatsächlich niemand ob der so langen wie gehaltvollen T.B.-Nacht verzweifelt.

 

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