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Volltext- Lesung des Romans "Auslöschung. Ein Zerfall" vom 6. bis 8. Februar 2004 im Scharfrichterhaus zu Passau
Dokumente zur Lesung:
- Bericht_ueber_den_Verlauf_der_Lesung.pdf-11.02.2004
- Inhaltsangabe_Ausloeschung.pdf- 06.02.2004
- Leseplan- Ausloeschung.pdf- 21.01.2004
- Ausloeschung-Einladung.pdf - 21.01.2004
- Ausloeschung_Plakat_06.-08.02.2004.gif- 13.01.2004
- 2.Brief_an_die_Teilnehmer_der_Ausloeschungs-Lesung.pdf- 12.01.2004
- Brief_an_die_Teilnehmer_der_Ausloeschungs-Lesung.pdf- 05.01.2004
Bericht
"Wir tragen alle ein Wolfsegg in uns herum und haben den Willen, es auszulöschen zu unserer Errettung, es, indem wir es aufschreiben (wir vorlesen!) wollen, auszulöschen. Aber wir haben die meiste Zeit nicht die Kraft für eine solche Auslöschung. Aber möglicherweise ist jetzt der Zeitpunkt da."
Gerade beim lauten Lesevortrag zeigte sich einmal mehr, dass jede Wiederholungstotallektüre der "Auslöschung", und sei es die fünfte oder sechste, immer wieder Höchstgenuss bereitet und immer wieder Höchstachtung für die großartige Formulierungs- und Gestaltungskunst Thomas Bernhards in der Großgestaltung wie im kleinen Detail abnötigt. Das ganze Buch ist trotz der zahlreichen ironischen, komischen und kabarettistisch übersteigerten Stellen von einer solch bezwingenden Grundtrauer über das entfremdete Leben und Grundsehnsucht nach einer freien und schönen Existenzverwirklichung und von einer Sehnsucht nach Verständigung und Verständnis mit, von und durch Menschen getragen, dass es einem an so vielen Stellen wie kaum bei einem anderen Schriftsteller den Lese- Atem verschlägt.
Unvergesslich so viele Szenen in ihrer Anschaulichkeit wie der Traum von Maria und dem Kuss, den sie M. gibt, (Wann und wo außer dem Gutenacht- Kuss der Mutter für das Kind gibt es bei Bernhard noch Küsse zwischen Mann und Frau!?) beim Treffen im Grödnertal und dem Ausflug Muraus mit der Mutter und Spadolini auf den Ätna oder ins Engadin.
"Dort schnallte sich Spadolini die Langlaufschier an und ruderte sozusagen auf die eleganteste Weise auf dem Silsersee gegen den Malojapass, auf das Gemälde zu sozusagen, das Segantini berühmt gemacht hatte."
Das Eintauchen in Bernhards Welt lässt einem immer wieder die Einsicht erleben:
"Was könnten wir sein, wenn es die Verletzungen, Enttäuschungen, Gemeinheiten und Verlogenheiten (durch die Jäger) nicht gäbe und was sind wir, wenn es diese zeitweise (bei den Gärtnern) nicht oder nicht mehr gibt und dann jeder Einzelne bejahend leben kann !"
Die Lesung verlief exakt und pannenfrei nach dem aufgestellten Leseplan, dessen zeitliche Annahmen sich als realistisch erwiesen.
Insgesamt lasen 20 Leser, darunter mit Edith Ecker, Ilse Henkel und Babara Dorsch trotz großer Bemühung leider nur drei Frauen.
("Die Männerwelt hat gelesen, dachte ich, die meisten Frauen sind zu selbstkritisch, um Bernhard zu lesen, im Gegensatz zu den Männern, die sich immer gleich für einen Quadflieg oder Euba halten, sagte ich zu Gambetti")
Franz Hamminger und Franz Xaver Hofer aus Schärding stellten mit ihrer Mitwirkung das Band zu unseren österreichischen Bernhard- Freunden her und brachten das oberösterreichischen Idiom authentisch zu Gehör.
Die Veranstaltung dauerte insgesamt 22 Stunden. Die reine Lesezeit betrug 19 Stunden und 15 Minuten. An jedem Lesetag gab es jeweils am Freitag und Samstag insgesamt 60 Minuten Pausen und am Sonntag 45 Minuten.
Jeder Leser las am an den beiden ersten Tagen jeweils 20 bzw. am Sonntag 16 Seiten. Die durchschnittliche Lesezeit betrug dabei 38- 40 bzw. 30 Minuten.
Leider konnte Sepp Meißner wegen Grippe- Krankheit nicht lesen. Seine Strecken wurden am Freitag von Karl Krieg und am Sonntag je zur Hälfte von Eberhard Wind und Alois Feuerer übernommen. Am Sonntag sprang Norbert Entfellner für Manfred Kempinger ein.
Der Besuch übertraf die vorsichtigen Erwartungen. Bei der Eröffnung waren insgesamt 30 Personen anwesend. Beim Abschluss am Sonntag um 16 Uhr saßen an die 40 Bernhard- Interessenten im Gewölbekeller des Scharfrichterhauses. Insgesamt waren an die hundert Gäste wenigstens einmal zeitweise dabei. Erwähnung verdient die ununterbrochene Anwesenheit der Leser Alois Feuerer, Karl Krieg und Eberhard Wind sowie der Helferin Sabine Waldherr, die sich dankenswerterweise und charmant um den Einlass, den Bücher-Verkauf, das Besucherbuch und den Spendeneingang kümmerte, sowie auf der Zuhörerseite von Karin Hölzwimmer, Sybille Lackermeier, Walter Leberl, Maria und Roland Papke sowie Cornelia und Werner Reitberger. Alois Feuerer moderierte die Veranstaltung knapp.
Der besondere Dank gilt auch den Bernhard- Freunden Eva und Franz Mrkvicka, die das elegante Plakat für die Lesung gestalteten, deren Druckkosten die Buchhandlung Pustet übernommen hatte.
Die Resonanz auf unsere Volltext- Lesung war sehr erfreulich. Wir erhielten viel Lob und Anerkennung und nicht zuletzt die Ermunterung, solche Lesungen eines ganzen Romans zu wiederholen. Der Entwicklungsprozess der PTBF wird derzeit von sehr viel Interesse, Dynamik und Kommunikationsfreude getragen.
Die Organisatoren Alois Feuerer, Karl Krieg sowie das Ehepaar Eberhard Wind und Sabine Waldherr danken auch an dieser Stelle nochmals allen aktiven Lesern, unter denen auch die Darstellungsprofis Barbara Dorsch, Norbert Entfellner, Manfred Kempinger sowie Wolf Zehren, ohne ein Honorar zu fordern, mitwirkten.
Die nicht-kommerzielle, vielmehr aus Idealismus und Freude an der Verlebendigung von Bernhard- Texten durchgeführte Veranstaltung verursachte nur geringe Kosten wie die Bezahlung der Leserechte für den Suhrkamp-Verlag von 105 EUR sowie der Druck- und Portokosten für die Einladungen und weiteres Informationsmaterial. Wir bedanken uns auch bei Karl Hennetmair, der den Veranstaltern 20 Exemplare seiner Schrift "Geschäfte eines Verlegers/ Ein Briefwechsel zwischen Richard Pils und Karl Ignaz Hennetmair" kostenlos zur Weitergabe an Interessanten zur Verfügung gestellt hatte.
Auf die Veranstaltung wurde in der Passauer Neuen Presse am Freitag, dem 5.2. hingewiesen und am Dienstag, den 10. Februar in einer Reportage, deren Interesse hauptsächlich der Atmosphäre und der Besucherresonanz galt, berichtet.
Ehrentafel der "Auslöschungs"- Leser 2004
Barbara Dorsch, Edith Ecker, Norbert Entfellner, Alois Feuerer, Martin Frauenhofer, Hans Göttler, Franz Hamminger, Ilse Henkel, Dieter Henschel, Franz Xaver Hofer, Bernd Kellermann, Manfred Kempinger, Karl Krieg, Edgar Liegl, Peter Paleczek, Stefan Rammer, Stefan Tilch, Eberhard Wind, Wolf Zehren und Christian Zeitler.
a.f. / 11.2.2004



























