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Ein Fest für Boris (1970) 

 

Eine Veranstaltung im Rahmen der Passauer Thomas Bernhard-Wochen

Die Schauspielgruppe des Wilhelm-Diess-Gymnasiums Pocking spielt
EIN FEST FÜR BORIS von Thomas Bernhard, Regie Martin Frauenhofer
Donnerstag, 2. März 2006 (19:30 Uhr)
Stadttheater Passau

 

PRESSESTIMMEN

 

Karten für die Aufführung gibt es an der Theaterkasse zu folgenden Öffnungszeiten: 
Di - Fr, 10 - 12.30 Uhr und 16 - 17.30 Uhr; 
Telefon: 0851/ 929 19 - 13 (-62 Fax);

Online-Reservierungsanfrage unter http://www.stadttheater-passau.de oder theaterkasse@passau.de sowie an der Abendkasse.

 

Preise: PK1 15,00 EUR, PK2 12,50 EUR, PK3 9,50 EUR, ermäßigt 8,00 EUR

 

"Ein Fest für Boris" - mit tödlichem Ausgang 
(Passauer Neue Presse vom 19.03.2005) von Guntram Kraus

Gymnasiasten spielen Thomas Bernhard - Anna Schiff glänzt in Mammutrolle - Grauen und Komik liegen nah beieinander "Ein Fest für Boris" von Thomas Bernhard zelebrierte der Grundkurs Dramatisches Gestalten des Wilhelm-Diess-Gymnasiums. Das Ergebnis seiner diesjährigen Theaterarbeit unter der Leitung von Regisseur Martin Frauenhofer begeisterte an zwei Abenden das Publikum in der Stadthalle. Das erste abendfüllende Theaterstück des ebenso erfolgreichen wie umstrittenen österreichischen Dramatikers, der 1989 erst 58-jährig verstarb, erlebte 1970 in Hamburg seine Uraufführung. Von der Umsetzung des Stücks durch die Pockinger Gymnasiasten waren auch die Experten im Publikum, wie etliche Theaterspielleiter der umliegenden Gymnasien und die "Passauer Thomas-Bernhard-Freunde", uneingeschränkt begeistert.


Monatelanges Proben ging den beiden Aufführungen voraus. Aus drei jeweils etwa halbstündigen Akten setzt sich das Stück zusammen, doch erst im dritten Teil findet das titelgebende "Fest für Boris" mit allen Akteuren gleichzeitig auf der Bühne statt. Den gegenteiligen Eindruck erlebt der Zuschauer in den beiden vorausgehenden Aufzügen. Auf der Bühne befinden sich lediglich die im Rollstuhl sitzende "Gute" (Anna Schiff) und ihr Dienstmädchen Johanna (Cornelia Parringer). Doch es kommt nicht einmal zum Dialog. "Monstermonologe" nannte vielmehr eine Theaterzeitschrift einmal, was die Hauptakteurin hier zu bewältigen hat - eine bewundernswerte Leistung von Anna Schiff. Nicht weniger hervorhebenswert ist, wie sie durch das Sitzen im Rollstuhl die erzwungene motorische Einschränkung auf das Natürlichste bewältigt und durch die Gestik der Arme, die Mimik und die dynamische Artikulation ersetzt, zwischen hysterischem Schreien und nachdenklichem Fast-Flüstern variierend. Mit dem Monologisieren will der Dichter konsequent auf das Scheitern jeglicher Kommunikation verweisen, die erste Voraussetzung für eine Verbesserung der Welt wäre. Johanna erduldet genervt, aber ansonsten in grenzenloser Toleranz ihre Chefin. Es ist schon widerwärtig, mit welcher launischen Überheblichkeit die Hausherrin ihren Frust darüber auslebt, dass seit dem unfallbedingten Verlust ihrer Beine das Leben nur noch eine "Wiederholung von Wiederholungen" ist. Als einzige Gesunde hat das Dienstmädchen eine andere Art von Einschränkung zu bewältigen. Doch Cornelia Parringer gelingt es als Johanna gut, voll präsent zu sein, obwohl sie kaum ein Wort sagen darf.
Im zweiten Akt wiederholt sich das Bild. Allerdings sitzt die Gute jetzt im Gewand einer Königin im Rollstuhl, eine Krone auf dem Haupt. Von einem Kostümball zurückgekehrt, muss auch Johanna ihre Verkleidung anbehalten: einen überdimensionalen Schweinskopf. Damit erhält spätestens jetzt - typisch für den Autor - die Tragik des Stücks auch ihre komischen Züge. Genauso dominant wie gegenüber Johanna verhält sich "die Gute", ihren Namen als blanke Ironie entlarvend, auch Boris (Christian Hausner) gegenüber. In jeder Sekunde lässt sie ihren ebenfalls im Rollstuhl sitzenden Gatten spüren, dass er nur ihr zu verdanken hat, das Behindertenasyl von außen betrachten zu können - durch die großen Salonfenster nämlich, die, auf großflächiges Packpapier gemalt, in ihrer Schlichtheit eine völlig ausreichende Kulisse bilden. 
Im dritten Akt schließlich hat anlässlich des Geburtstags ihres Gatten die Gute acht ebenfalls Beinlose aus dem Krüppelasyl zu einem Festessen eingeladen (Konrad Feldschmid, Barbara Fojcik, Janina Künecke, Sabine Parringer, Sarah Saller, Markus Skambraks, Julia Tenschert und Korbinian Zander). Die den Gästen gemeinsame Behinderung ist unter dem Tischtuch verborgen, kommt jedoch in einem anderen textilen Symbol geschickt zum Ausdruck: alle stecken ihre Köpfe durch Schlitze eines ellenlangen weißen Leinentuchs als gemeinsames Gewand.
Im Gespräch bei Tisch werden Deklamationen einzelner Figuren meist nur echohaft von Sprechchören der Mitspieler erwidert. Die Dialoge erscheinen sinnfrei, weil sie nur um sich selbst kreisen. Dennoch zeigt sich frappierende Logik: Wenn sich die Asylbewohner beklagen, dass ihnen ohne Rücksicht auf ihre trotz Beinlosigkeit unterschiedliche Körpergröße lauter "Einheitskisten" als Betten dienen, hat Thomas Bernhard in Wahrheit eine Parabel gedichtet auf die soziale Ordnung in einer Gesellschaft, die ihren Mitgliedern ohne Rücksicht auf deren Individualität nur vorgeformte normierte Plätze zuweist. Seine bildliche Verkleidung macht den tragischen Stoff zugleich komisch. Äußerlich erinnert das Gelage an die Szene in Hofmannsthals berühmtem "Jedermann", endet jedoch nicht mit der Erlösung des Protagonisten. Lange schweigt der Gefeierte im Mittelpunkt der Tafel, um dann um so lauter mit der geschenkten Trommel auf sich aufmerksam zu machen: Oskar Matzerath aus der Grass’schen "Blechtrommel" lässt grüßen. Doch so abrupt das Instrument verstummt, weil Boris hinter ihm tot zusammengesackt ist, so unbemerkt bleibt die Katastrophe zunächst. Erst als sich die Gäste verabschieden, stellt Johanna kreischend fest, was passiert ist. Gleichzeitig fällt der Vorhang.
Premieren seien "gewöhnlich unerträgliche Examen und eine Verhöhnung der Kunst", las man als Zitat im Programmheft. Doch nicht einmal von Lampenfieber war etwas zu spüren, und für das Publikum war die "Prüfung" dieses Theaterbesuchs höchst erträglich und ein Lob auf die Theaterkunst, wie sie von jugendlichen Laien kaum besser präsentiert werden kann. 

Pressestimmen

 

Gymnasiasten begeistern im Stadttheater

(Artikel: Passauer Neue Presse - 04.03.2006 - Guntram Kraus)
Passau. Ausgesprochen routiniert meisterten die Theaterspieler des Wilhelm-Diess-Gymnasiums am Donnerstagabend ihren bisher wichtigsten Auftritt: ein Gastspiel beim Südostbayerischen Städtetheater im Fürstbischöflichen Opernhaus in Passau...
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Ein „Fest für Boris“ wird zum Fest fürs Publikum 

(Artikel: Passauer Neue Presse - 04.03.2006 - Gertie Falk)

Vor allem Anna Schiff glänzte als „Die Gute“. Sie bestritt die beiden ersten Akte als Vorspiele nahezu allein mit „Monster-Monologen“, wie Thomas Bernhard diese sich endlos wiederholenden Weltschmerzmonologe selbst genannt hatte...

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Gymnasiasten spielen am Stadttheater 

(Artikel: Passauer Neue Presse - 28.02.2006 - Guntram Kraus)
Passau. Ausgesprochen routiniert meisterten die Dass es zu dieser ehrenvollen Einladung an Oberstudienrat Martin Frauenhofer und seine Truppe kam, hat mit dem Autor des aufgeführten Stückes zu tun: In diesem Jahr könnte Thomas Bernhard, der ebenso geniale wie umstrittene und auf jeden Fall bedeutendste Dramatiker der österreichischen Gegenwartsliteratur, seinen 75. Geburtstag feiern...

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Foto: Die "Gute" (Anna Schiff, rechts) und ihr Dienstmädchen Johanna (Cornelia Parringer, links)

Foto: Die "Gute" (Anna Schiff, rechts) und ihr Dienstmädchen Johanna (Cornelia Parringer, links)

 

Foto: anlässlich des Geburtstags ihres Gatten die "Gute" acht ebenfalls Beinlose aus dem Krüppelasyl zu einem Festessen eingeladen

Foto: anlässlich des Geburtstags ihres Gatten die "Gute" acht ebenfalls Beinlose aus dem Krüppelasyl zu einem Festessen eingeladen

 

Besetzung:

Die Gute: Anna Schiff

Johanna: Cornelia Parringer

Boris: Konrad Feldschmid

Karl, der älteste Krüppel: Julia Tenschert

Hans Ernst, Krüppel: Markus Skambraks

Hans Viktor, Krüppel: Sarah Saller

Ludwig Viktor, Krüppel: Anne Strohmeier

Ernst Ludwig, Krüppel: Janina Künecke

Karl Ludwig, Krüppel: Evi Kandlinger

Ernst August, Krüppel: Julia Ranner

Ernstludwig August, Krüppel: Sabine Düver