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Ein Fest für Boris (1970)
Die Schauspielgruppe des Wilhelm-Diess-Gymnasiums Pocking spielt
EIN FEST FÜR BORIS von Thomas Bernhard, Regie Martin Frauenhofer
Donnerstag, 2. März 2006 (19:30 Uhr)
Stadttheater Passau
Gymnasiasten begeistern im Stadttheater
Passau. Ausgesprochen routiniert meisterten die Theaterspieler des Wilhelm-Diess-Gymnasiums am Donnerstagabend ihren bisher wichtigsten Auftritt: ein Gastspiel beim Südostbayerischen Städtetheater im Fürstbischöflichen Opernhaus in Passau.
Der Grundkurs Dramatisches Gestalten und sein Kursleiter und Regisseur Martin Frauenhofer waren von den Passauer Thomas-Bernhard-Freunden eingeladen worden, ihre letztjährige Schultheater-Produktion noch einmal aufzuführen: "Ein Fest für Boris", das 1970 entstandene erste abendfüllende Theaterstück des bedeutenden österreichischen Dramatikers. Thomas Bernhard starb 58-jährig 1989, sein 75. Geburtstag in diesem Jahr ist Anlass für die gegenwärtig stattfindenden Thomas-Bernhard-Wochen, in denen vor allem mit Lesungen und einer Foto-Ausstellung an den Autor erinnert wird.
Eine Glanzleistung bot erneut Anna Schiff in der Rolle der "Guten", die die ersten beiden je halbstündigen Akte praktisch im Alleingang zu bestreiten hatte. Von "Monstermonologen" sprach der Dichter selbst bei dem, was er seiner - noch dazu im Rollstuhl sitzenden - Hauptfigur an Text auf den Leib geschrieben hatte. Cornelia Parringer ertrug als ihr geduldiges Hausmädchen und ihre Vorleserin die Drangsalierungen der launisch-herrischen Dame in stoischer Stille. Konrad Feldschmid als beinamputierter Ehemann Boris hat wörtlich und im übertragenen Sinn noch weniger zu sagen, kompensiert den ihm vom Dichter zugedachten Mangel jedoch mit unwiderstehlich gelungener Mimik: Melancholisch verloren und in stillem Schmerz geht sein Blick in ferne Leere, vergeblich trommelt er um Aufmerksamkeit, bis er unbeachtet tot an der für ihn angerichteten Geburtstagstafel zusammensackt. Diese Szenerie des dritten Aktes brachte das komplette Ensembles auf die Bühne - und es lief zu Hochform auf: Die Art und Weise, mit der das Dutzend Akteure das Gespräch bei Tisch zelebrierte, in permanentem Wechsel zwischen individuellen Deklamationen und kollektiven, phrasenhaften Antwortchören, war von bestechender Sicherheit und trotz der vom Text gewollten, vermeintlich sinnfreien Echohaftigkeit von lebendigster Dynamik. Nicht erst hier im Finale des Stücks zeigte sich, dass das professionelle Ambiente des Stadttheaters und seines Publikums bei den jungen Schauspielern auch nicht einen Hauch nervöser Hemmung auslöste - im Gegenteil: Die Truppe wurde zu einer kaum für möglich gehaltenen weiteren Steigerung der von ihr ohnehin gewohnten Spielfreude animiert.
(Artikel: Passauer Neue Presse - 04.03.2006 - Guntram Kraus)
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