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Volltextlesung "Der Keller.Eine Entziehung"
Ein Lesung im Rahmen der
Passauer Thomas Bernhard Tage
2008
Die Passauer Thomas Bernhard Tage 2008 starten mit der Lesung des zweiten der vier autobiografischen Werke Thomas Bernhards "Der Keller.Eine Entziehung" (1976). Ende 1946: im Alter von 16 Jahren, beschließt Bernhard spontan anstatt zur Schule auf das Arbeitsamt zu gehen und lässt sich eine Lehrstelle vermitteln, ohne dass seine Angehörigen davon Kenntnis haben. Am Arbeitsamt verlangt er eine Stelle "in der entgegengesetzten Richtung", wie er mehrmals betont...
Es wird das ganze Buch an zwei Abenden gelesen. Dabei sorgen 10 Leserinnen und Leser für ein abwechslungsreiches und intensives Hörerlebnis.
Volltextlesung von Thomas Bernhards "Der Keller.Eine Entziehung" (1976) durch
verschiedene Leser im Kellergewölbe der Unterkirche St. Margarethen
(Große
Messergasse 2, Residenzplatz Passau)
Eintritt: frei
Freitag, 8. Februar 2008 (20:00 Uhr)
Samstag, 9. Februar 2008 (20:00 Uhr) - 77. Geburtstag von TB
Es lesen:
Bianca Buhr, Alois Feuerer, Martin Frauenhofer, Franz Hamminger, Nicola
Heidemann, Bernd Kellermann, Karl Krieg, Edgar Liegl, Anna-Maria Ramelsberger,
Stefan Rammer, Karin Sziborsky, Eberhard Wind
Die anderen Menschen fand ich in der entgegengesetzten Richtung, indem ich nicht mehr in das gehasste Gymnasium, sondern in die mich rettende Lehre ging, gegen alle Vernunft in der Frühe nicht mehr mit dem Sohn des Regierungsrats in die Mitte der Stadt durch die Reichenhaller Straße, sondern mit dem Schlossergesellen aus dem Nachbarhaus an ihren Rand durch die Rudolf-Biebl-Straße, nicht auf dem Weg durch die wilden Gärten und an den kunstvollen Villen vorbei in die Hohe Schule des Bürger- und des Kleinbürgertums, sondern an der Blinden- und an der Taubstummenanstalt vorbei und über die Eisenbahndämme und durch die Schrebergärten und an den Sportplatzplanken in der Nähe des Lehener Irrenhauses vorbei in die Hohe Schule der Außenseiter und Armen, in die Hohe Schule der Verrückten und der für verrückt Erklärten in der Scherzhauserfeldsiedlung, in dem absoluten Schreckensviertel der Stadt, an der Quelle fast aller Salzburger Gerichtsprozesse und im Lebensmittelgeschäft des Karl Podlaha, der ein zerstörter Mensch und ein empfindsamer Wiener Charakter gewesen war und der Musiker hätte werden wollen un dann immer ein kleiner Krämer geblieben ist. (erster Satz aus Thomas Bernhard "Der Keller.Eine Entziehung")
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