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Bernhard Setzwein - Lesung
Bernhard Setzwein liest aus seinem neuen Roman "Ein seltsames Land"
Mittwoch, 20. Juni 2007, 20 Uhr
Passau Scharfrichterhaus (Milchgasse 2)
http://www.scharfrichterhaus.de
Kartenvorbestellung: 0851/35900
Veranstalter: „Passauer Pegasus“
Bernhard Setzwein, geboren 1960 in München, seit 1985 freischaffender Autor, lebt seit 1990 in Waldmünchen an der bayerisch-böhmischen Grenze. Mehrere Auszeichnungen, darunter 1998 der Bayerische Staatsförderpreis für Literatur, 2003 in der Endauswahl für den Alfred-Döblin-Preis mit dem Roman "Die grüne Jungfer", 2003 Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz in der Sparte Literatur, 2004 Bamberger Poetikprofessur. Zuletzt als Buch-veröffentlichungen: „Das Buch der sieben Gerechten“ (Roman, Haymon 1999), „Nicht kalt genug“ (Roman, Haymon 2000), „Ein Fahneneid aufs Niemandsland. Literatur über Grenzen“ (Essays, Reden, Interviews, lichtung verlag 2001), „Die grüne Jungfer“ (Roman, Haymon 2003). In der Reihe „Literarische Reisebegleiter“ des Verlags Klett-Cotta sind von Setzwein die Bände „München“ (2001) und „Die Donau“ (2004) erschienen. Der Roman „Ein seltsames Land“ ist 2007 im lichtung verlag erschienen.
Zum Roman „Ein seltsames Land“
Der Romanheld mit dem sprechenden Namen Lober ist eigentlich ein ganz normaler Staubsauger-Vertreter, der durch die Neubausiedlungen der Ortschaften des Bayerischen Waldes zieht, in Dorfgasthäusern nächtigt und sich nicht entscheiden kann, ob er mit seiner Freundin Franzka zusammenziehen soll oder doch besser nicht. Eine völlig durchschnittliche Freistaats-Existenz von heute – der alltagsplausible Beginn der Geschichte lässt nirgendwo vermuten, dass dieser Lober ganz allmählich die Sphäre des Gewohnten verlassen wird. Der Leser freut sich zunächst einmal über die äußerst köstlichen kultur- und sozialkritischen Beobachtungen, die der Held inmitten all der kitschübersäten Vorgärten und überschuldeten 12-Zimmer-Villen anstellt, zu denen ihn sein Einsatzplan führt – und nebenbei dankt er der über Lobers Handy stets präsenten Franzka, dass sie ihm zur Verkürzung seiner Autofahrten ein Hörbuch mit Texten von Adalbert Stifter mitgegeben hat. Und siehe: So mancher Stifter-Hörbuch-Satz verleiht Lober quasi Flügel und verdrängt ein wenig die flotten Melodien seines Lieblingssängers Tom Petty, der nur immer «I’m ready to fly / but I ain’t got wings» gesungen hatte. Allein die oft bitterbösen satirischen Passagen der ersten 50 Seiten – inklusive des mit allen Vorurteilen gegenüber dem Dichter geschickt jonglierenden und wahrlich zum Brüllen komisch geschilderten Kaufs eines Stifter-Bandes – lohnen die Lektüre des Buches. Und irgendwie wirken die Sätze dieses Stifter auf den braven Vertreter: «Lober wurde sich selbst, wenn auch nur für einen ganz kurzen Augenblick, unheimlich.» Denn er sieht auch sehr genau, über seine höchstpersönlichen Empfindungen hinaus, was so alles passiert in diesem durchaus nicht idyllischen Bayerischen Wald von heute, wo sich eben auch jugendliche Bombenbastler selbst in die Luft jagen und das menschliche Elend, an den Stammtischen oft kleingeredet und weggesoffen, an fast jeder Weggabelung lauert. Kurzum: Lober kommt sich und seinen beruflichen Pflichten langsam abhanden, und wie das geschieht und wohin es führt, verfolgt man mit wachsender Spannung – zumal man es mit einem Autor zu tun hat, der die Schimpftiraden eines Thomas Bernhard ebenso studiert hat wie die sanften Prosanotizen des späteren Peter Handke, die bekanntlich eine gewisse Nähe zu dessen explizitem Vorbild Stifter aufweisen. Und so gelangt der Leser schließlich ans Weltende, genauer gesagt: ins «Gasthaus zum Ende der Welt», das sich ganz hinten im Wald in der Nähe eines vom Unternehmer Multerer aufgegeben Steinbruchs befindet. Dieses Gasthaus, dessen skurriles Innenleben der Autor ähnlich intensiv schildert wie einst die Wirtsstube in der «Grünen Jungfer», wird für den Protagonisten zu einer Art Sprungbrett in eine andere Welt. Denn immer mehr merkwürdige Gestalten tauchen in seiner Nähe auf, …
(Klaus Hübner, Redakteur des „Fachdienst Germanistik“)

