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Gratulationsadresse der Passauer Thomas Bernhard- Freunde zum 50- jährigen Jubiläum der Tierpräparatur Alfred Höller in Pinsdorf am 26. Juli 2009
„und tatsächlich herrschte eine totale Finsternis in der Höllerschen Dachkammer, und wie ich aus der Höllerschen Dachkammer hinausschaute, habe ich auch nichts als vollkommene Finsternis sehen können, wohl auf einmal das Getöse der Aurach wieder gehört, aber die Aurach nicht sehen können, nichts mehr sehen können, denn das ist bekannt, dass die Finsternis hier an der Aurach, im Aurachtale und vor allem an der Aurachengstelle am härtesten und also am finstersten ist.“
Groß war vor sechs Jahren im Jahre 2003 bei unserem ersten Besuch in Pinsdorf die Neugierde auf den Tierpräparator Alfred Höller an der Aurachengstelle, der und die in der „Korrektur“ eine so zentrale Rolle spielen. Wir waren von Passau aus die Direttissima zur Aurachtal-Straße 61 gefahren, ohne einen Kilometer Umweg zu machen oder auch nur eine Sekunde zu verlieren.
Höller zeigt sich in adretter, blauer kurzer Hose und einem gemusterten Kurzärmel- Hemd im geschätzten Alter von 65 bis 70 Jahren. Es war spannend, dieser so intensiv beschriebenen und gestalteten Romanfigur in diesem so anschaulich und genau beschriebenen Höllerhaus gegenüberzutreten und aus seinem Munde den Unterschied zwischen Roman-Erfindung und Realität zu erfahren. Höller spricht sachlich, ohne groß seine Bedeutung als Romanfigur hervorzuheben. Er sieht sich als Handwerker, der sein ganzes Leben Tierpräparate gefertigt hat. Seine Tüchtigkeit sei dadurch anerkannt worden, dass die Museen in Salzburg und Wien die Ausstellungsobjekte bei ihm kauften oder anfertigen ließen.
Es sei sein Ziel, mit seinem Museum die Menschen auf die Großartigkeit und Vielfalt der heimischen Tierwelt aufmerksam zu machen und vor einer naturvergessenen Lebensweise zu warnen. Es sei enttäuschend, wie gering heute bei der Jugend wie auch bei den Alten die Kenntnis der Natur und Tierwelt seien. Das Interesse an Präparaten sei sehr zurückgegangen.
Thomas Bernhard war einige Male bei Alfred Höller, fasziniert vor allem von der Lage des Hauses an der Aurachengstelle wie vom Handwerk des Tierpräparators, dem er in der Werkstatt beim Ausstopfen eines großen schwarzen Auerhahns zusehen durfte. Von diesem Augenblick existiert ein Foto, das Höller mit dem zu präparierenden Auerhahn zeigt. Dieses Erlebnis ging dann in die „Korrektur“ als eine der eindrucksvollsten und schönsten Szenen ein. Um die Topographie noch besser überblicken zu können, bat Bernhard Höller, ob er ihm nicht vom möglichst hochgelegenen Standpunkt im Hause aus den Blick auf den kleinen Aurach- Absturz ermöglichen könne. Dazu führte ihn Höller in eine Kammer im obersten Stockwerk. Von dort aus nahm Bernhard die Engstelle bei wiederholten Besuchen immer wieder in Augenschein, ohne dem Höller zu sagen, dass sein Haus mit ihrer Dachkammer und seiner Lage in seinem Roman eine so große Rolle spielten. Erst als die „Korrektur“ fertig war, erfuhr Höller von anderen, dass Bernhard ein Buch mit und über ihn geschrieben habe. Bernhard habe ihm kein Buch vorbeigebracht, das habe er, Höller, sich selbst besorgt. Bernhard hatte das Höllerhaus bei seinen Fahrten zu seinem Haus „Krucka“ auf dem Grasberg in Reindlmühle entdeckt.
Auf die Frage nach dem Schreibtisch, der für Roithamers Studie über Altensam so wichtig geworden war, hören wir, dass dieser aus dem Zimmer geräumt und zerlegt worden sei.
Höller meinte: „Ich müsste versuchen, ob ich ihn nochmals rekonstruieren kann.“
Was er dann erfreulicherweise im September 2008 mit der Eröffnung der Höllerschen Dachkammer auch gemacht hat. Ob er mit dem Roman „Korrektur“ in der Gegend und bei den Leuten bekannter geworden sei und ob sie Interesse für den Schauplatz zeigten? Höller: Die Leute dieser Gegend interessieren sich nicht für Literatur und Bücher. Kaum jemand lese die Bücher Bernhards oder kenne die „Korrektur“. Die Leute seien mit ihrer Arbeit und der Existenzsicherung ausgefüllt. Es gebe kein besonderes Interesse an seiner Person. Für solche schweren philosophischen Erzählungen fehle den Aurach-Leuten das Organ und jegliche Verständnismöglichkeit.
Allerdings hat sich dies in den inzwischen vergangenen acht Jahren erheblich verändert, wozu die Ausstellung der Bilder von Erika Schmied und vielleicht auch die Lesungen
der Passauer Thomas Bernhard- man könnte mit vielleicht noch größerem Recht von den Passauer Alfred Höller- Freunden sprechen- beigetragen haben.)
Alfred Höller war mit uns durch sein Tierwelt- Museum, wie er es nennt, gegangen und hatte uns interessante Erklärungen gegeben. „Eine riesige Vogelkollektion, dachte ich, immer wieder: eine riesige Vogelkollektion und ich schlug mir auf den Kopf dabei, immer wieder: eine riesige Vogelkollektion, eine riesige Vogelkollektion! Roithamer hatte immer sehr beziehungsvoll über die Arbeit des Höller gesprochen, von seinem Präparieren, Ausstopfen und so fort aller möglichen Tiere, allem möglichen Geflügel und die Beobachtung der Arbeit Höllers war für Roithamer, wie er selbst gesagt hat, immer befruchtend gewesen, zuzuschauen, wie die toten Naturgeschöpfe als Kunstgeschöpfe immer Anlass für verschiedene Betrachtungsweisen über Natur und Kunst und Kunst und Natur gewesen, sie waren ihm immer die die rätselhaftesten Kunstgeschöpfe gewesen.“
Zufrieden mit den Informationen und der Art der Aufnahme verabschieden wir uns vom freundlichen Höller- Trio.
Wir, Karl Krieg und ich, hatten dem Höller eine Lesung aus der „Korrektur“ in seinem Museum vorgeschlagen. Wir sagten ihm auch, dass er seine Bernhard- Qualifikation besser verkaufen und vermarkten müsse. Er müsse mit einem Faltblatt und Informationstafeln an den anderen Bernhard- Orten auf die Existenz und Bedeutung des Höller- Hauses als Schauplatz eines Bernhard- Romans aufmerksam machen. Wir versprachen ihm, ein solches Faltblatt zu entwerfen. Höller glaubte uns anscheinend unsere Absichtserklärung nicht recht. Er sagt wegwerfend: „Ja, da waren schon viele bedeutende und namhafte Leute da und haben gesagt, ja, da müssen wir was machen. Wenn sie dann draußen waren, haben’s gesagt: Der Traunsee ist heuer schön warm.“
Heute sagt er: „Ja, das hätte ich nicht geglaubt, dass sich ein paar Piefkes wegen des Bernhard so bei mir, bei uns im Aurachtal, reinhängen und wirklich einen Prospekt, Plakate und Lesungen zustande gebracht haben, und im kommenden September schon zum siebten Mal bei uns im Tierweltmuseum lesen werden!“
Dass wir die Höllers damit positiv überrascht und überzeugt haben, das freut auch uns. Wir bedanken uns an dieser Stelle für die Einladungen und die jahrelange Gastfreundschaft und wünschen der Firma und Familie Höller in geschäftlicher, familiärer und kultureller Hinsicht alles Gute und viel Erfolg und Anerkennung Ihrer Bemühungen, das Wissen um Wald und Tier sowie Literatur und Thomas Bernhard unter die Leute zu bringen und zu mehren. Heute zum 50jährigen Firmenjubiläum Herzlichen Glückwunsch auch von den Passauer Thomas Bernhard- Freunden, die sich freuen würden, wenn sie noch oft im Hause Höller lesend zu Gast sein könnten. Für die Passauer Thomas Bernhard- Freunde
/ Alois Feuerer / 26.7. 2009
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