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Zitate
Krista Fleischmann: T. B. - Eine Begegnung 1991 Wien (KF)Kurt Hoffmann: Aus Gesprächen mit T.B., 1988, Löckerverlag Wien (KH)
Hellmut Karasek, Erich Böhme, Ich könnte auf dem Papier jemanden umbringen, Der Spiegel 13.6.1980
Asta Scheib: SZ 17.Januar 1987 "Von einer Katastrophe in die andere" (AS)
Niklas Frank, Ansichten eines unverbesserlichen Weltverbesserers, Stern 4. Juni 1981, (NF)
"Jeder Mensch will gleichzeitig teilnehmen und in Ruhe gelassen sein. Und da das eigentlich nicht möglich ist, beides, ist man immer in einem Konflikt." (KH)
"Weil es ist so: man macht das Tor zu und will alleine sein, und in dem Moment, wo man das will und das Tor zumacht, ist es einem gleichzeitig auch bewusst, das ist eine falsche, auch wieder eine falsche Handlung,
weil man im Grunde auch nicht allein sein will." (KH)
"Es ist mir nicht anderes übrig geblieben, als in meinen Verstand zu flüchten und mit dem irgend etwas anzufangen, weil das Körperliche nichts hergegeben hat." (AS)
"Ich glaube, es gibt für jeden entscheidende Menschen. Ich habe zwei in meinem Leben gehabt. Meinen Großvater mütterlicherseits und dann einen Menschen, den ich ein Jahr vor dem Tod meiner Mutter (1950) kennen gelernt habe. Das war eine Verbindung, die über 35 Jahre gedauert hat. Das war der Mensch (Hedi Stavianicek, die Tante) auf den alles, was mich betrifft, bezogen war, von dem ich alles gelernt habe." (AM)
"Ich hab' ja immer schon Material zum Lachen geliefert. Das ist eigentlich alle Augenblick hellauf zum Lachen. Aber ich weiß nicht: Haben die Leute keinen Humor oder was''? Ich weiß es nicht. Mich hat's immer zum Lachen gebracht, bringt mich auch heut noch. Wenn mir fad ist, oder es ist irgendwie eine tragische Periode, schlag ich ein eigenes Buch von mir auf, das bringt mich noch am ehesten zum Lachen." (KF)
"Was mich zum Schreiben treibt, ist ganz einfach die Lust am Spiel.
Sie empfinden das Vergnügen, auf eine Karte zu setzen und dabei zu wissen, dass man jedes Mal alles gewinnen oder alles verlieren kann. Das Risiko des Scheiterns scheint mir ein wesentliches Element."
"Sie müssen nur denken: Was machen's in der nächsten halben Stund oder was passiert im nächsten Augenblick? Das ist interessant. Das Zurückdenken hat keinen Sinn, weil da bewegen Sie sich ja sowieso in einem Museum, das feststeht, so wie die ganze Geschichte.
Ist ja interessant. Spannend ist ja nur, was kommt, aber spannend ist nicht das, was war." (KF)
"Ich habe meine Arme nicht zum Umarmen, eigentlich, sondern zum Schreiben und zum Schuhbandlbinden und zum Waschen und zum Essen und zum Ausziehen.
Aber zum Umarmen hat man selten Lust." (KF)
"Um mich ausleben zu können, wie ich will, bleibt mir nichts anderes übrig als das Alleinsein. Es ist eben so, dass mich Nähe tötet. Aber ich bin deshalb nicht zu bedauern.
Jeder ist an allem selber Schuld."
"Ich arbeite sehr konzentriert. Möglichst in der Früh'. Von fünf Uhr früh bis neun Uhr vormittag, dann geh ich spazieren, hol mir die Zeitung und trink' einen Kaffee, genieße absolut das Nichtstun, die gute Luft und die herrliche Sonne, wolkenlose Tage, die Berge, und die Menschen sind plötzlich auch herrlich. Mittag tu ich ausgiebig essen, möglichst viel, möglichst g'sund, pampf' mich vollkommen an. Und dann so ab vier, arbeit ich wieder, meistens noch besser als in der Früh'. Und dann, so um sieben, halb acht, gab ich genug, geh noch einmal spazieren, und dann kommt langsam das Nachtmahl."
"Ich brauch' überhaupt nix erfinden. Die Wirklichkeit ist viel scheußlicher. Weil ich ja hier im Dorf mit den Leuten umgeh' und weiß, was sie ausstehen, wenn sie schlafen, was sie essen, wann sie den Krebs kriegen. Hier hat's die vielen Papierfabriken, hier hat's drum die vielen Krüppel wegen der Maschinen, die ihnen Finger, Arme abreißen, oder die Ohrwaschln.
Die Maschinen schneiden ja alles ab von denen im Lauf der Zeit. oder man fährt Moped über's Bahngleis. Und dann hat man keine Beine mehr. Wie mein Vorgänger hier auf dem Hof. Der war Schichtarbeiter. Und ich hab hier mit Holzbeinen eing'heizt. Der hat einen großen Verschleiß g'habt." (NF)
"Das Scherzmaterial ist ja immer da, wo's nötig ist, wo ein Mangel ist, irgendeine geistige oder körperliche Verkrüppelung. Über einen Spaßmacher, der völlig normal ist, lacht ja kein Mensch, nicht, sondern der muß hinken oder einäugig sein oder jeden dritten Schritt hinfallen oder (lacht) sein Arsch explodiert und er schießt a Kerz'n heraus oder was. Darüber lachen die Leut', immer über Mängel und über fürchterliche Gebrechen." (KF)
Man weiß ja nie, wer man ist. Es sagen einem ja die anderen, wer und was man ist, nicht? Und weil es einem millionenmal gesagt wird, wenn man ein längeres Leben hat, weiß man überhaupt nicht mehr, wer man ist. Jeder sagt etwas anderes. Man selbst sagt auch jeden Augenblick was anderes."
"Jeder hat sein Thema. Darin soll er sich bewegen. Dann macht er es auch gut. Vielleicht will man Mönch werden, Eisenbahner, Holzhacker. Zu den ganz einfachen Leuten möchte man dazu gehören. Das ist natürlich so ein Irrtum, weil man nicht dazugehört. Wenn man ein Mensch ist wie ich kann man natürlich nicht Eisenbahner oder Mönch werden. Ich war immer ein Einzelgänger." (AS)
"s'Volk verachten wär ja blöd. Aber in Acht nehmen muss man sich, weil ja's Volk genauso auf einen losgeht, weil man ja nicht ist so wie sie:
"Der geht nur spazieren! Der g'hört wegputzt!" Aber im Volk sein, das is' a ewige Sehnsucht. Und die einfachen Leut' verstehen meine Sachen immer besser als die anderen." (NF)
"Alles ist subjektiv und falsch natürlich. Das ist ganz klar. Ich hab' nie behauptet, dass ich irgendeine Wahrheit oder irgendwas Richtiges g'sagt hab'. So ist das." (KF)
"Ich glaub', ich hab' überhaupt noch in keinem Buch eine Landschaft beschrieben. Das gibt's nämlich gar nicht: Ich schreib immer nur Begriffe, und da heißt's immer nur Berge oder eine Stadt oder Straßen, aber wie die ausschauen -ich hab nie eine Landschaftsbeschreibung gemacht. Das hat mich auch nie interessiert." (KF)
"Ich hab nie ein Vorbild gehabt und auch nie eines wollen. Ich hab immer nur ich selbst sein wollen und ich hab' immer nur so geschrieben, wie ich selber gedacht hab', und dadurch bin ich in die Gefahr, von irgend so einem Vorbild aufgesaugt zu werden, gar nie gekommen." (KF)
"Ich bin wahrscheinlich lebenslänglich der negative Schriftsteller. Aber ich muß sagen, ich fühl' mich in der Rolle ganz wohl, weil sie mich gar nicht irritiert. Weil die Leut sagen, ich bin ein negativer Schriftsteller, und ich bin aber gleichzeitig ein positiver Mensch.
Also kann mir ja nichts passieren, nicht. Oder? Ist es ein gefährlicher Zustand?" (KF)
"Ich denk' nicht, ich weiß ja gar nichts, wenn ich schreib', ich erinnere mich an keine Bücher, auch nicht an die, die ich gelesen hab', es ist überhaupt nichts da. Ich beschäftige mich mit Literatur ja gar nicht. Die Sachen hab ich alle vor fünfzehn, zwanzig, dreißig Jahren gelesen, ich weiß gar nicht mehr, was beim Stifter drin steht. Alles, was man gemacht hat, hat sicher Folgen. Sie können mich zu meinen Sachen fragen, manche Sätze weiß ich ganz genau, na ja, die sind von mir, da erinnere ich mich schon. Aber die meisten… Ich weiß auch den Inhalt meiner Bücher gar nicht mehr, weil's mich gar nicht mehr interessieren." (KH)
"Einmal am Tag freut man sich, daß man am Leben ist und noch nicht tot.
Das ist ein unwahrscheinliches Kapital."
"Man kann alles austauschen, auch Sie haben absolut recht, wenn Sie eine Wahrheit als Lüge bezeichnen, aber das würde nie ein Richter einsehen, nicht."
"Ich bin mit allem zufrieden, restlos. Wahrscheinlich, weil ich so selbstzufrieden bin und so glücklich über alles. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin durch und durch glücklich, von oben bis unten, von der linken Hand bis zur rechten und das ist wie ein Kreuz. Und das ist das Schöne daran. Eine katholische Existenz. Ich wünsche jedem Menschen Religion und all das, weil das ist wunderbar. Es ist alles wie Rahmsuppe." (KH)
"Im Grund' ist alles ein Betrug und ein Selbstbetrug, aber eigentlich großartig. Ohne den Betrug würde ja alles zusammenfallen und wär' nix mehr. Die Welt ist ja als ganzes ein Betrug, nicht. Und das Himmelreich auch einer, und die Hölle auch einer. Also, es gibt den Betrug oben, unten, und den Betrug, da, wo man lebt, nämlich auf der Erde. Und wenn man stirbt, ist es auch ein Betrug. Aber vielleicht, wenn Sie in den Himmel kommen, ist es keiner, möglicherweise. Freuen Sie sich drauf!" (KF)
"Sie können (als Schriftsteller oder Künstler) gar nichts bewirken und verändern, weil die Welt geht ihren Weg, alles entsteht, vergeht, alles kommt und geht, alles wird weggeputzt, also was wollen Sie verändern wollen? Sie können Eindrücke aufschreiben, die Sie haben, da gibt es Zukunftsvisionen. Haben ja Leute wie ich auch." (KH)
"Also mißverstehen Sie mich nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich und alle anderen mit allen verwandt sind. Daß auch ein Filbinger in mir ist wie in allen anderen. Daß auch der liebe Gott in einem ist und die Nachbarin und überhaupt alles, was lebt. Man könnte sich mit allen identifizieren. Das ist die Frage, wie weit unterdrückt man und beherrscht man alle diese Millionen oder Milliarden von Möglichkeiten von Menschen, die man in sich hat." (HK)
"Eine trockene, nur ernste Philosophie ist nicht zum Lachen, das ist ja auch wahnsinnig fad. Aber beim Schopenhauer kann ich auch lachen. Je verbissener er ist, desto mehr ist er zum Lachen, nur nehmen die Leut' das alles tragisch ernst. Aber wie kann man jemanden ernstnehmen, der mit einem Pudel verheiratet ist, den kann man ja von vorneherein nicht ernst nehmen. Das ist ja ein Lachphilosoph, nicht. Das sind die großen Spaßmacher in der Geschichte - der Schopenhauer, Kant. Also die Allerernstesten im Grund. Da gehört der Pascal auch dazu, auf seine katholisch-mysteriöse religiöse Art.-." (KF)
"Sie haben mich gefragt, welchen Blick ich auf mich habe. Da kann ich nur sagen: auf den Narren. Dann geht's. Nur mit dem Blick auf den Narren, auf den Altersnarren. ein junger Narr ist nicht interessant. Der wird als Narr auch noch gar nicht anerkannt." (KF)
"Nun ja, Vergänglichkeit ist auch etwas Schönes. Es gibt ja nichts Furchtbareres als ewig Bestehendes. Ich möchte auch gar nicht, dass alles, was mit mir zusammenhängt, überhaupt bestehen bleibt, hab' überhaupt kein Interesse daran, nur es könnte sein, dass es meinen Sachen eher widerfährt." (HK)
"Alle drei waren wir die geborenen Verrammelungsfanatiker."
aus "Der Untergeher"
"Auf dem Lande zu leben, habe ich immer als Bestrafung empfunden, denn in mir ist alles immer so angelegt gewesen, dass es letzten Endes gegen das Land angelegt gewesen war. Jeden Tag habe ich mir, solange ich auf dem Land lebe, sagen müssen, dass ich meiner naturwissenschaftlichen Studien und meiner Lunge und also ganz einfach meiner Existenzmöglichkeit zuliebe auf dem Land lebe."
"T.B. strebt einen naturwissenschaftlichen Blick auf alle Phänomene des Lebens an, alle Facetten der Menschen an. Seine Prosa sollte beides besitzen: Rhythmus und Melodie einer musikalischen Komposition und die Exaktheit und Nüchternheit eines wissenschaftlichen Protokolls. Alles Schöngeistige war ihm zuwider." (WS) T.B.s Bernhards Häuser
(T.B.s Sehnsucht nach einer anderen Identität, nicht Schriftsteller, sondern Bauer zu Nathal oder Landwirt zu sein, siehe Hamsun und Faulkner.)
Reduktion auf das Schlichte und Funktionale, Schnörkellose. Wer neu baut scheitert wie in "Korrektur" Roithamer mit dem Kegel für seine Schwester.
Die Häuser B.s sollen von den Menschen abgeschnitten sein, nicht aber von der Natur. Das Wesen der Natur ist dunkel, aber in der Natur kommen wir zu uns selbst. In die Natur hinausgehen, die Natur außerhalb von uns aufmerksam zu betrachten heißt, die eigene Natur genauer wahrzunehmen. (WS)
Später wird das Naturideal vom Geistesideal abgelöst.
T.B.s Begriff der Normalität war von den Ideen der vergangenen Epochen geprägt, so war auch seine Vorstellung von Qualität durch und durch altmodisch.
Porträt von Kaiser Joseph II: aufklärerischer Geist, antiklerikale Gesinnung, radikaler Wille, mit den erstarrten Traditionen zu brechen und überholte Privilegien abzuschaffen, schien ihm vorbildlich für jedes politischen Handeln.
Bernhards Haus in Obernathal wurde mit den Jahren immer mehr zum Museum, zum Monument, zum Mausoleum, zum Totenhaus.
(Auswahl und Zusammenstellung von Alois Feuerer)
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